Denkmal des Monats - Januar 2018

Südwestfalen
Kath. Pfarrkirche St. Johannes Evangelist, Südseite (Eversberg)

Als Graf Gottfried von Arnsberg Eversberg die Stadtrechte verlieh, begann man mit dem Bau der Kirche mit wuchtigem Westturm im romanisch-gotischen Übergangsstil. Es handelt sich um eine dreijochige Hallenkirche mit frühgotischem Chor von einem Joch mit fünfseitigem Schluss. Im Längshaus befinden sich kräftige Achteckpfeiler. Die querrechteckigen kreuzgratgewölbten Joche des Mittelschiffes werden nach Osten breiter. Die schmalen Seitenschiffe enden in halbrunden Apsiden und werden mit einhüftigen Gewölben überspannt. Der hohe Turmhelm in Form einer dreigeschossigen welschen Haube wurde 1712 von Meister Conrad Hesse (vgl. Kirchen in Wormbach und Hallenberg) errichtet. Ursprünglich war der Turm eine bleigedeckte, pyramidenförmige Haube.

1934 wurden im Kirchenschiff und im Chor Gewölbemalereien aus dem 13 Jahrhundert entdeckt. Im Kirchenschiff sind es bizarre Tier- und Pflanzenmalereien; das Chorgewölbe zeigt eine Deesis (Christus als Weltenrichter) umgeben mit den Symbolen der vier Evangelisten und der Heiligen, Petrus, Paulus, Johannes Evangelist und Philippus, die als kölnische Arbeit um 1330 angesetzt wird.

Aus der reichen Barockausstattung hebt sich der 1720 errichtete Hochaltar hervor. Der Altar ist stufenmäßig aufgebaut mit dem Kirchenpatron, dem Evangelisten Johannes an der Spitze.

Neben den mit Trauben verzierten Säulen stehen die lebensgroßen Holzfiguren des heiligen Sebastian und des heiligen Rochus; neben den kleineren Säulen des oberen Teils rahmen die Figuren der heiligen Agatha und der heiligen Lucia ein Bild der Heiligen Dreifaltigkeit. Mittelpunkt des Hochaltars ist ein großes Abendmahlgemälde, eine Stiftung des Prämonstratenserabtes Nikolaus Hengesbach an seine Heimatgemeinde. Die beiden Seitenaltäre St. Mariae und St. Nikolaus wurden 1775 errichtet. Am Marienaltar befinden sich die heilige Barbara und die heilige Apollonia, am Nikolausaltar die Heiligen Vinzentius und Laurentius. Die Orgel wird 1655 erstmals erwähnt, sie stand ursprünglich im hinteren Teil der Orgelbühne.

Die Doppelmadonna im Strahlenkranz vor dem Chor hängend wird auf 1730 datiert.

Ein Blick in die Geschichte

Eversberg liegt auf einem bewaldeten Bergkegel am Rande des Arnsberger Waldes mitten im Sauerland. Seit 1975 ist Eversberg Ortsteil der Kreis- und Hochstadt Meschede. Im 12 Hektar umfassenden Ortskern leben rund 700 Menschen.

Der Ort selbst geht zurück auf eine Gründung Graf Gottfrieds III. von Arnsberg im Jahr 1242.

Burg und Stadt entstanden auf einem Bergkegel nach dem Vorbild der „Lippischen Dreistraßenanlage“.

Mit der Gründung der Stadt und ihrer wehrhaften Befestigung wollten die Grafen von Arnsberg ihr Territorium stärken, das nahezu komplett von den Besitzungen des mächtigen Erzbischofs von Köln umgeben war.

Von der einstigen Befestigung sind heute nur noch die Ruine des Bergfriedes, die daran anschließenden Grundmauern und ein Turmstumpf zu sehen, den man auch besteigen kann.

In der Zeit der Gründung fällt auch der Bau der Eversberger Stadtkirche im Übergangsstil zwischen Romantik und Gotik. Bereits 1247 wurde die Stadtkirche von Erzbischof Konrad von Köln zur Pfarrkirche „Sankt Johannis evangeliste“ erhoben. Noch heute bietet die Kirche mit ihrem mächtigen Turm und ihrer prächtigen Innenausstattung ein typisches Beispiel für den „Sauerländer Barock“.

Das 17. und 18. Jahrhundert bedeuten für das Sauerland und damit auch für Eversberg unruhige Zeiten. Der Dreißigjährige Krieg bringt vagabundierende Soldaten in die Stadt. 1635 wird die prächtige Pfarrkirche von Landsknechten geplündert. 1668/69 wütet die Pest in Eversberg. Wie in vielen Orten des Sauerlandes errichten die Bewohner zu Ehren Gottes und zur Verschonung von der Pest eine Kapelle, die Rochuskapelle.

Mit dem Herzogtum Westfalen fiel Eversberg zu Beginn des 19. Jahrhunderts für kurze Zeit an das Großherzogtum Hessen. 1815 wurde das ganze Sauerland im Rahmen der Beschlüsse des Wiener Kongresses preußisches Staatsgebiet.

Die wirtschaftliche Entwicklung Eversbergs war seit jeher von der Landwirtschaft und vom Handwerk geprägt.

Flachs und Schafwolle wurden in Heimarbeit verarbeitet, ehe Mitte des 19. Jahrhunderts Tuchfabriken entstanden.

Solche Betriebe gibt es heute nicht mehr, auch Landwirtschaft ist heute im Ortskern kaum noch vorhanden. Neben Wohnen gibt es einige Handwerksbetriebe und einige touristische Nutzungen.