Denkmal des Monats - Mrz 2018

Südwestfalen
Herrenhaus (Soest)

Der aus mehreren Gebäuden bestehende Burghof zählt zu den bedeutendsten und ältesten Patrizierhöfen in Soest. Im 13. Jahrhundert befand er sich im Eigentum der Ministerialenfamilie von dem Lo und trug den Namen „Lohof“. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts gelangte er in das Eigentum der Soester Patrizierfamilie von Dael, nun unter dem Namen „Burghof“. Ab 1614 war das Anwesen im Besitz der Familie von Fürstenberg, bis es 1894 an den Postsekretär a.D. Wilhelm Asheuer verkauft wurde. Er baute das ehemalige Herrenhaus zu zwei Mietwohnungen um und nahm dafür zahlreiche bauliche Veränderungen vor. Im Jahr 1905 erwarb die Stadt Soest zunächst nur das so genannte „romanische Haus“, um hier die stadtgeschichtliche Sammlung des neu gegründeten Vereins für Heimatpflege unterzubringen. Ab 1909 mietete der Verein einige Räume im ehemaligen Herrenhaus, die seit dieser Zeit als stadtgeschichtliches Museum dienen. Dieses Gebäude und der verbliebene Garten konnten schließlich 1911 durch die Stadt erworben werden. Die für die Einrichtung der Mietwohnungen durchgeführten baulichen Veränderungen wurden bis Ende der 1930er Jahre in mehreren Etappen zurückgebaut.

Die Hausanlage um 1200

Das sogenannte „romanische Haus“ galt lange als das älteste Wohnhaus zwischen Rhein und Weser. Es handelt sich um ein steinernes Hinterhaus der Zeit um 1200, dessen Vorderhaus sich nicht erhalten hat.

Auf dem Urkataster von 1828 ist das Vorderhaus noch dargestellt. Teile seiner Grundmauern wurden 1943 bei der Anlage eines Luftschutz-Deckungsgrabens entdeckt. Demnach handelte es sich um einen rechteckigen Massivbau von 32 m Länge, der sich parallel zur heutigen Pollhofstraße zwischen romanischem Haus und Herrenhaus erstreckte.

Das Hinterhaus hat sich nahezu unverändert erhalten und diente vor allem zu Wohnzwecken. Mit seiner baufesten Ausstattung gibt es einen guten Eindruck von den Wohnverhältnissen der Oberschicht des 13. Jahrhunderts.

Es handelt sich um einen zweigeschossigen Massivbau mit Satteldach. Die Fassade zur Pollhofstraße ist mit einem neunstufigen Treppengiebel, drei romanischen Fensteröffnungen und sorgfältig gearbeitetem Mauerwerk aufwendig gestaltet.

Im Inneren des Gebäudes gibt es je einen Raum pro Etage. Beim Erdgeschoss handelt es sich um einen gewölbten Raum, dessen Gratgewölbe auf einer mittig stehenden Rundsäule ruht. Das Gewölbe wurde frühestens ab der Mitte des 13. Jahrhunderts nachträglich eingebaut und ist mit Malereien mit Sternen, Linien und Blattornamenten geschmückt. Im Obergeschoss haben sich Reste einer gotischen Wandbemalung und eine Abortnische erhalten.

Das Herrenhaus von 1559

Das Herrenhaus wurde 1559 (i) durch die Soester Patrizierfamilie von Dael errichtet. Es steht abgerückt von der Straße auf großem Grundstück. Der Zugang zum Gelände erfolgt über eine repräsentativ gestaltete Fußgängerpforte von der Burghofstraße. Die sogenannte Daelen-Pforte stammt bereits von 1551 (i) und zeigt das Wappen der Familie von Dael.

Im Inneren wird das Gebäude durch eine massive Querwand in eine hohe Dielenküche und einen unterkellerten Festsaal, den sogenannten Rittersaal, geteilt. Von der Küche aus werden alle Räume erschlossen: Über eine breite Treppe mit Galerie gelangt man ins Obergeschoss. Weitere Treppen führen in den Rittersaal und den Keller.

Besonders reich an bauzeitlicher Ausstattung ist der sogenannte Rittersaal. Er ist umlaufend mit figürlichen Stuckreliefs geschmückt. Diese Reliefs wurden 1938/39 durch den Soester Bildhauer Wilhelm Wulff ergänzt. Der Raum dient heute für Empfänge des Bürgermeisters, festliche Veranstaltungen und standesamtliche Trauungen.

Bauliche Veränderungen und Museumsnutzung

Seit 1909 beherbergt der Burghof das stadtgeschichtliche Museum der Stadt Soest. 1960 wurde auch das erste Dachgeschoss in die Museumsnutzung einbezogen. Ebenfalls in den 1960er Jahren entstand der winkelförmige Anbau zwischen romanischem Haus und Herrenhaus.

Der Eingangsvorbau wurde erst vor wenigen Jahren errichtet und nimmt den Eingang mit Garderobe, Toiletten, einen Abstellraum und eine Teeküche auf. Er wurde durch einen Architekten der Stadtverwaltung der Stadt Soest entworfen und fügt sich modern und zurückhaltend ein.

Das Museum zeigt die Entwicklung Soests von ersten Siedlungsspuren auf dem Soester Stadtgebiet in der Jungsteinzeit über die Stadtwerdung im Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Durch zahlreiche Exponate wird das Alltagsleben in Mittelalter und Neuzeit lebendig vermittelt. Ein besonderer Schatz ist die berühmte Scheibenfibel, die 1930 bei Bauarbeiten am Lübecker Ring entdeckt wurde. Das Dachgeschoss dient der Ausstellung sakraler Kunst und der Vermittlung der Geschichte der Soester Kirchen und Klöster.

2009 wurde der auf dem Grundstück befindliche Luftschutz-Deckungsgraben für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In dem 65 m langen Gangsystem erhalten die Besucher nun Informationen zu Soest im Zweiten Weltkrieg.