Denkmal des Monats - September 2018

Südwestfalen
"Haus Honningh" und "Weichsscher Hof (Arnsberg)

Eng verbunden mit dem Bau des repräsentativen Schlosses für die Kölner Kurfürsten am Ende des 16. Jh. war auch die Entwicklung der Stadt, die sich durch die anwachsende Bevölkerung und die zahlreichen Stadtbrände massiv veränderte.

Das denkmalgeschützte stattliche Patrizierhaus, welches nach dem großen Stadtbrand vom 28. Mai 1600 für den Landschreiber des Herzogtums Westfalen „Rudolf Honningh“ 1601 in mehreren Bauphasen wieder errichtet wurde, diente städtebaulich, funktional und symbolisch als Bindeglied zwischen Stadt und Schloss. Es war somit für die weitere städtische Entwicklung außerordentlich wichtig und bildet mit dem Hof für den Landjägermeister „von Weichs“ heute noch ein bauliches Ensemble von hohem gestalterischen sowie historischen Wert. Es apostrophiert den Auftakt zur ursprünglichen Stadt und steht symbolisch für den Ausdruck der Macht, die einst von hier ausging.

Die nach dem Stadtbrand erhaltene Bausubstanz wurde beim Wiederaufbau integriert, was u.a. die Inschrift am Gebäude und die bruchsteinernen Mauern belegen. Auch gibt es Bauteile, wie die Treppenanlage im Dielenbereich, die hier eine Zweitverwertung gefunden haben.

Das stattliche Giebelhaus mit hohem, massivem und heute verputztem Erdgeschoss hat den Haupt-eingang an der Südfassade, welcher von einem aus Rüthener Sandstein hergestellten und von Pilastern gerahmten Portal mit Oberlicht über dem Architrav akzentuiert wird. Auch die Fenster im Erdgeschoss sind durch ihre Ausführung als Sandsteinpfostenfenster prägend. Der vierfach vorkragende Südgiebel ist fachwerksichtig und die Schwelle des Obergeschosses mit beschnitzten, farbigen Füllhölzern und einer Inschrift gestaltet.

Ursprünglich befanden sich im Erdgeschoss die repräsentativen, administrativen Räume sowie die Schlafräume. So gelangte man von der Eingangsdiele in die Küche mit Herdstelle und großzügigem Essplatz. Hier führt heute noch eine Wendeltreppe aus Steinstufen in die Gewölbekellerräume, die zum ältesten Teil gehören und vermutlich ursprünglich in einen Turm integriert waren. Östlich der Eingangsdiele waren eine Schreibkammer und wahrscheinlich Schlafräume angeordnet. Hier wurde zu unbekannter Zeit ein Zwischengeschoss eingebaut. Im 1. Obergeschoss sind die Räume des nachträglich verschmälerten Flures durch später errichtete Fachwerkwände unterteilt. Es ist nicht auszuschließen, dass die Obergeschosse ursprünglich auch als Speicherstock dienten. Die Güter wurden mit einem Lastenaufzug, der im Dachgeschoss heute noch sichtbar ist, transportiert.

Das Schloss wurde 1762 - während des Siebenjährigen Krieges – zerstört. Das „Haus Honningh“ überstand diese Zeit und es sollen hier vermutlich von 1794 bis 1803 die Gebeine der Heiligen Drei Könige und der kostbare Schrein ein „sicheres Versteck“ gefunden haben.

Um 1900 wurde das Gebäude besitzrechtlich in zwei Einheiten aufgeteilt, die dann im privaten Eigentum waren und als Wohnhaus genutzt wurden. Im Jahre 1969 wurde der südliche Gebäudeteil an die Stadt verkauft, die ihn an unterschiedlichste Personen und Initiativen vermietete. So wohnte und arbeitete hier ab den 1960er Jahren der Arnsberger Maler Udo Wollmeiner. Zeugnisse seines künstlerischen Wirkens sind heute noch ablesbar und bleiben auch nach der aktuellen Sanierung erhalten. Von 2001 bis 2011 wurde das Gebäude von der Künstlergruppe „Sepia“ und von überregional bekannten Künstlern als Atelier und Ausstellungsraum genutzt. Es erfolgten für die jeweiligen Nutzer, innen und außen, entsprechende Baumaßnahmen von unterschiedlichster Quantität und Qualität.

Nach einem kurzzeitigen Leerstand gibt es seit 2013 wieder private Eigentümer für den südlichen Gebäudeteil. Deren Ziel ist es, das Haus unter Berücksichtigung seiner ursprünglichen Baustruktur wieder zum Wohnen zu nutzen.

Hierfür wird das Gebäude in allen Geschossen seit 2013 in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege zurückgebaut, restauriert und saniert. Dabei dienen sowohl die ursprünglichen Bauteile, Materialien und Raumkompositionen, als auch die Ergebnisse der Bauforschung und der restauratorischen Untersuchungen durch das Fachamt als Grundlage. Somit wird nicht nur das historische Raumgefüge wieder erlebbar, sondern die Räume erhalten auch ihre ursprüngliche Aussagekraft zurück. In diesem Zuge wird das historische Herdfeuer im Küchenbereich wieder zum „Mittelpunkt“ des Hauses.

Die Renaissancefassaden werden inklusive Steinpfostenfenster wieder hergestellt. Hierbei erhielten die Fensteröffnungen ihre ursprüngliche Größe zurück, sodass die imposante Fassade von der Historie in die Zukunft transportiert wird.

In dem Konzept der Eigentümer wird deutlich, dass die historischen Vorgaben, insbesondere die ursprüngliche Raumkomposition und Gebäudeintention, das Haus zu einen innovativen und attraktiven Ort werden zu lassen. Hierbei werden die historischen Baudetails nicht nur erhalten, sondern sie betonen in Zukunft auch den Raum. Das denkmalgeschützte Gebäude wird somit revitalisiert und seine Erhaltung langfristig gesichert. Das stattliche Patrizierhaus ist heute ein Zitat der architektonischen und der gesellschaftlichen Veränderungen zu Beginn des 17. Jh. Die ausstehenden Untersuchungsergebnisse des Fachamtes lassen eine genauere Einordnung des Objektes in die Stadtgeschichte erwarten und ein dezidiertes Bild zum Leben und Wirken des ursprünglichen Bauherren, Landschreiber Honningh. Auch deshalb wird das Projekt durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gefördert. Dies ist nicht nur eine Wertschätzung für die Arbeiten, die hier bisher geleistet wurden, sondern auch ein besonderer Status für das Baudenkmal und seine Bedeutung über die Region hinaus.