Denkmal des Monats - Juli 2018

Ostwestfalen Lippe
Schloss Merlsheim (Nieheim)

Eingebettet in eine herrliche Landschaft mit bewaldeten Hügeln, klaren Bachläufen und fruchtbaren Ackerfluren liegt der alte Rittersitz Merlsheim. Im Reigen der ostwestfälisch-lippischen Wasserschlösser gebührt diesem gepflegten Herrensitz ein hervorragender Platz.

Dem Engagement seiner Besitzer ist es zu danken, dass bei allen Instandsetzungsarbeiten denkmalpflegerische Forderungen absoluten Vorrang hatten. Durch fachkundige und stilgetreue Restauration blieb alte Bausubstanz erhalten.

In den Jahren 1983 bis 1985 wurde die gesamte Dachbedeckung des Schlosses wieder mit Solling- und Wesersandsteinplatten neu eingedeckt. Dabei konnten etwa 40 % von den noch vorhandenen wiederverwandt werden, die restlichen 60 % stammen von abgebrochenen oder anders gedeckten alten Gebäuden im Wesergebiet.

Schon 1299 wird „Merrelhusen“ erstmals erwähnt. 1420 erhält Sievert von Oeynhausen vom Paderborner Fürstbischof Dietrich von Moers das Recht, „eine Vestung und Borch bei das Dorf zu bauen. Damals entstand auf einem Kellergeschoss von sechs Kreuzgewölben eine turmartige Wohnung mit zwei oder drei Stockwerken nebst den entsprechenden Wirtschaftsgebäuden. Die Anlage wurde von einer Gräfte umgeben, die von der Emmer gespeist wird. Das Kerngebäude mit den Maßen 9,5 x 21,5 m ist in dem heutigen Gebäude erhalten und durch seine Mauerstärke erkennbar. Die nördliche Außenwand ist identisch mit der des späteren Erweiterungsbaus.

Im 16. Jahrhundert entstand, den gehobenen Ansprüchen der Renaissancezeit entsprechend, ein großzügig angelegter Erweiterungsbau. Der Südseite wurde ein Streifen vorgebaut, nach Osten wurde das Haus um seine alte Größe fast verdoppelt und im Westen fügte man einen Wirtschaftsteil mit Brauerei und Bäckerei an. Die Ost- und Westseiten wurden mit dreistöckigen Schaugiebeln im Stil der Weserrenaissance versehen. Drei Erker beleben das Obergeschoss der Südseite. Vor dem östlichen Teil der Nordseite entstand ein turmartigesTreppenhaus. Breite Sandsteinstufen umgeben einen viereckigen Kern und führen hinauf zum Dachboden. Je zwei Kreuzgewölbe im Erd- und Obergeschoss und vier weitere über den Treppenabsätzen umgeben diesen umbauten Kern. Dieses erweiterte Bauwerk hat eine Länge von 41,3 m und eine Breite von 13,8 m. Der Treppenturm ist 10,7 m lang und 6,9 m breit. Das Ganze wurde mit einer ebenfalls erweiterten, steingefassten Gräfte umgeben. Das Schloss, die Wirtschaftsgebäude des Außenhofes und die umgebenden Gärten umschloss eine zweite umfassende Gräfte in einem großen Viereck. In dessen vier Ecken standen kleine Türme, die diese verbindenden Mauern waren im Osten durch ein Torhaus unterbrochen. Die einzelnen Phasen dieser Bauperiode sind zeitlich nicht genau bekannt, auch gibt es keine Hinweise wie Meisterzeichen, Wappen und Jahreszahlen auf hier tätige Baumeister oder Handwerker. Sicher scheint nur, dass das Baugeschehen bis 1600 abgeschlossen war.

Bauherren waren die Herren von Oeynhausen. Mit dem Tod von Anton Gabriel von Oeynhausen erlosch 1632 der Merlsheimer Zweig dieses Geschlechtes. Ein Jahr später besetzten schwedische Truppen das Hochstift Paderborn, und in Merlsheim kam es zu einem Handgemenge, bei dem der fürstbischöfliche Verwalter Anton Heinemann getötet wurde. Die langwierigen Prozesse um das Lehen von Merlsheim und Schönenberg zwischen der Paderborner Lehenskammer und der letzten Angehörigen des Geschlechtes von Oeynhausen, die einen schwedischen Offizier geheiratet hatte, gingen bis zum Rechtskammergericht nach Speyer. Erst 1655 konnte das Lehen neu verliehen werden. Fürstbischof Adolph Dietrich von der Recke gab es dem Domdechanten von Paderborn und Domherrn von Münster, Caspar Philipp von Ketteler. Dieser ließ um 1667, diese Jahreszahl steht mit seinem Wappen über dem Portal, einen kleineren, jedoch repräsentativen zweigeschossigen Flügel an der Nordseite des Treppenturms errichten. Er enthält im Erdgeschoss einen Saal mit drei Fensterachsen, einen Torbogen mit zwei Kreuzgewölben und einen als Kapelle dienenden Raum mit zwei Fensterachsen. Das Portal der Toreinfahrt und der Nordgiebel dieses angebauten Flügels zeigen bereits barocke Schmuckformen, während die der Ostfront des Renaissancebaues 1674 vorgesetzte „Utflucht“ sich mehr dem alten Stile angleicht.

Nach dem Abzug des letzten Domherrn von Ketteler um 1780 wurde Major Christian von Oeynhausen belehnt. Er erneuerte die Wirtschaftsgebäude im Innenhof und auf dem äußeren Hof.

Mit der Aufhebung der Lehensverhältnisse durch die Reformen der Jahre 1803 und 1804 wurde der Grundbesitz freies Eigentum, während die Ablösungen aller alten Belastungen sich noch jahrzehntelang hinzogen.

Nach mehrfachem Besitzerwechsel erwarb im Jahre 1845 der Ökonom Joseph Freiherr von Hövel aus Herbeck bei Hagen Haus und Gut Merlsheim. Die neu zu gestaltende Art der Bewirtschaftung der Felder, Wiesen und Weiden mit zahlreicher werdendem Viehbestand verlangte Neu- und Umbauten der Wirtschaftsgebäude, denen ältere Bauwerke im Bereich des äußeren Hofes weichen mussten. 1857 wird das Gut Merlsheim durch „Königlich Preußische Cabinetsorder“ als Rittergut bestätigt – damit war nach damaligem Verwaltungsrecht ein Sitz im Kreistag verbunden.

Der zweite Besitzer aus der Familie von Hövel, August Freiherr von Hövel, ehemals Regierungspräsident von Koblenz, setzte seine Nichte Eleonore von und zur Mühlen, geborene Freiin von Hövel, zur Erbin ein, nachdem deren einziger Bruder Franz 1915 bei Warschau gefallen war.

1920 zog die Familie von und zur Mühlen von Münster nach Merlsheim. Jetzt entstand an der Innenhofseite des Ostflügels ein turmartiger Anbau mit einem Giebel, der die Formen des barocken Nordgiebels im Kleinen wiederholt. Das vielfältige Wirken der neuenBesitzer Josef und Eleonore von und zur Mühlen war besonders geprägt durch ihr Engagement für eine vielseitige Gartenkultur mit Treibhausanlagen. Während des 2. Weltkrieges und in den folgenden Jahren wurde Haus Merlsheim Zufluchtsstätte für viele Menschen aus zerstörten Städten und verlorenen Gebieten im Osten.

Nach dem Ableben der Schlossherrin im Jahre 1957 – ihr Mann war zehn Jahre vorher gestorben – übernahm ihr ältester Sohn Werner von und zur Mühlen den Besitz. Er ließ das Haus neu verputzen und das Dach, wie schon gesagt, neu eindecken. Dabei wurden die Einfluglöcher für Fledermäuse, Mauersegler und Stare erhalten oder neu angelegt.

Textquelle: Ernst Maoro in Schlösser, Burgen, Herrensitze in Ostwestfalen-Lippe, Westfalen Verlag 1986

Zur Stadtgeschichte

Als Zeitpunkt der ersten geschichtlichen Erwähnung Nieheims wird oft das Jahr 889 genannt. Einige prähistorische Funde und Hügelgräber aus der Bronzezeit weisen auf eine sehr frühe Besiedelung des Gebietes um Nieheim hin.

Der Name der Stadt Nieheim d.h. im Wesentlichen die Schreibweise hat sich im Laufe der Jahrhunderte verändert, von Nihem über Nym bis zum heutigen Nieheim. Durch diese unterschiedlichen Schreibweisen lässt sich nur schwer belegen, wann Nieheim erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die ersten nachweislichen Erwähnungen erfolgten in mehreren Urkunden des Bischofs Meinwerk von Paderborn (1009

1036), der hier in Nieheim einen Meierhof besaß. Unter Bischof Bernhard IV. (1228 1247) wurden Nieheim die Stadtrechte verliehen. Die Stadt erhielt Privilegien wie Selbstverwaltung durch einen gewählten Bürgermeister und Ratsherren, niedrige Gerichtsbarkeit, Markt- und Münzrecht sowie das Recht und die Pflicht zur Selbstverteidigung. Nieheim entwickelte sich daraufhin von einer Ackerbürgerstadt zu einer bedeutenden Hansestadt und wurde Mitglied der Hanse.

Charakteristisch für das heutige Erscheinungsbild Nieheims ist die Mitte des 13. Jh. entstandene, kreisförmige Stadtanlage, die unverändert erhalten geblieben ist. Die Stadt war umgrenzt durch eine Stadtmauer, deren Verlauf in etwa dem der Unteren- und Oberen Mauerstraße entspricht. Die Eingänge der Stadt wurden mit Toren gesichert, auf den Höhen wurden Warten, wie z.B. der Holsterturm, gebaut und es wurden Landwehre angelegt, um die Feldmarken zu schützen. Das Erscheinungsbild der Stadt wird darüber hinaus durch die interessante architektonische Teilung in Unter- und Oberstadt geprägt.

Der Gebäudebestand ist im Lauf der Stadtgeschichte durch Großbrände oft vernichtet worden. Allein der Großbrand im Jahre 1700 zerstörte 257 von ca. 260 Häusern. Darum stammt, abgesehen von der Katholischen Pfarrkirche St. Nikolaus und dem Rathaus, kein Gebäude aus dem 17. Jh. Der Stadtbild prägende, über dem mittelalterlichen Stadtgrundriss errichtete Baubestand von Ackerbürgerhäusern stammt im Fall der Fachwerkhäuser größtenteils aus der Mitte des 19. Jh. und im Fall der massiven Ziegelbauten aus der Wende des 19. zum 20. Jh. Durch den Stadtgrundriss und die städtebauliche Tradition bedingt, zeigt die historische Altstadt von Nieheim in ihrer Struktur mittelalterliche Gestaltqualitäten.

Der Heilklimatische Kurort Nieheim ist im Tourismus sehr gut aufgestellt. Vielfältige Besichtigungs- und Freizeitmöglichkeiten bietet Ihnen Nieheim: Das Westfalen Culinarium überrascht Sie mit einem einzigartigen Museumskonzept. Es wurde mit dem Deutschen Tourismuspreis 2006 ausgezeichnet. Das in Deutschland einzige Sackmuseum im Heimatmuseum fördert Unbekanntes zum unscheinbaren Transportmittel Sack zu Tage. Menne´s Nieheimer Schaukäserei lässt Sie den Herstellungsprozess von Käse beobachten. Zahlreiche Wege laden Sie zum Wandern, Walken, und Rad fahren in die malerische Umgebung ein. Finden Sie die Kunstwerke auf dem Nieheimer Kunstpfad und vieles mehr. Freuen Sie sich auf den Deutschen Käsemarkt, die Nieheimer Holztage und die Nieheimer Kulturnacht, Feste, die wegen ihrer Einmaligkeit Besuchermagnete sind und von denen Sie bestimmt schon gehört haben. Sicher sind auch Sie neugierig geworden. Kommen Sie doch einfach zu uns. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!